MMM Paradies

   
 

Das MMM-Paradies Allschwil ist ein Einsatz, in dem wir für den reibungslosen Verkehrsfluss im Parkhaus zuständig sind. Dieser Einsatz wird von uns jeden Samstag seit 1976 ununterbrochen geleistet. Der folgende Einsatzbericht wurde vom damaligen Einsatzchef geschrieben und schildert mehr oder weniger repräsentativ unsere Arbeit am Beispiel vom Samstag, 29. November 2003. Wie immer wurden die Namen abgeändert.

Ein ganz normaler MMM-Paradies-Einsatz?

8.20 Uhr: Noch wenige Schritte bis zu unserem Vorbereitungsraum. Wie viele Verkehrskadetten (VK) werden mich erwarten? Drei? Zwei? Einer? Keiner gar? Es sind vier – der Einsatztag verspricht schön zu werden!

08.35 Uhr: Es wird doch kein so schöner Tag. 1 VK erschien krank zum Einsatz, wie ich eben erfahre. Kurz vor 10 Uhr schicke ich den VK wieder heim. Ein Ersatz lässt sich nicht auftreiben. Schade.

09.00 Uhr: Posten P2-Ecke. Lydia winkt. Ein Auto kommt von der Einfahrtsrampe - ohne Licht. Lydia stoppt den Wagen und macht das „Licht-an-Zeichen“ (Drehen der leicht geöffneten Faust). Der Fahrer stellt den Motor ab. Lydia macht das zweite von uns benutzte „Licht-an-Zeichen“ (Aufspringen lassen der Faust zur gespreizten Hand). Der Fahrer winkt zurück!!! Lydia ruft "LIEEEECHT!" Der Fahrer winkt weiter. Ich gehe zum Fahrzeug hin, berühre die Scheinwerfer und mache ebenfalls das „Licht-an-Zeichen“. Der Fahrer versteht.

09.45 Uhr: Auffahrunfall bei der Einfahrtsrampe. Der Unfallverursacher gibt seine Schuld zu, findet am anderen Fahrzeug aber keinen Schaden - ich auch nicht. Dessen Besitzerin sieht aber eine kaputte Stossstange. Da sich die beiden Kontrahenten nicht einigen können, wird die Polizei aufgeboten. Als die Polizei eintrifft, ist die Stossstange plötzlich nicht mehr kaputt...

10.30 Uhr: Eine Frau gibt mir einen Autoschlüssel, den sie gefunden hat. Einziger Anhaltspunkt: Marke Rover. Da es ein moderner mit Fernzentralverriegelung ist, gehe ich langsam das Parkdeck hinunter und drücke auf die Knöpfe. Ich habe Glück: Am Ende des Parkdecks macht es plötzlich "klack". Als ich nochmals drücke erneut "klack" - Rover gefunden! Ich hinterlasse an der Windschutzscheibe die Notiz, dass der Schlüssel bei uns deponiert ist. Das kann ja nicht lange dauern, bis der kommt, denke ich noch.

11.45 Uhr: Nachdem es den ganzen Vormittag durch kaum Verkehr gegeben hat, wollen nun plötzlich alle aus- und gleichzeitig einparken. Ein kleiner Stress macht sich bemerkbar. Den Roverschlüssel habe ich immer noch.

14.00 Uhr: Eine Frau steuert mich an. Gehört ihr vielleicht der Rover? Fehlanzeige. Sie vermisst nicht einen Schlüssel, sondern ein ganzes Fahrzeug. Aber immerhin soll es hier im Parking stehen. Aufgrund der Situationsbeschreibung des Ortes, wo sie ihr Auto zuletzt gesehen hat, verweise ich sie ins P3 neben den Invalidenparkplätzen. Kurz darauf kommt die Frau zurück. Im Auto. Ach ja: Den Roverschlüssel habe ich immer noch.

15.00 Uhr: Über Funk werde ich zu gerufen, eine Frau suche ihren Schlüssel. Grosse Überraschung: Die Frau ist da mitsamt offenem Rover! Statt auf die Idee zu kommen, den Schlüssel im Parkhaus oder beim Auto zu suchen hat sie lieber niemanden gefragt, ist von einer Bekannten heimgefahren worden, hat den Ersatzschlüssel geholt und ist wieder gebracht worden. Trinkgeld gibt es dann auch noch. Eigentlich hatte ich vor, es durch vier zu teilen. Der Plan wird zunichte gemacht, da es sage und schreibe ein ganzer Franken ist. Die anderen drei VKs verzichten auf ihren Anteil von je 25 Rappen.

15.30 Uhr: Man bittet mich, auf Einkäufe aufzupassen. Man müsse nochmals kurz oben etwas holen. Höfliche Antwort: Tut mir leid, keine Zeit.

16.30 Uhr: Ein junger Herr bittet mich um meine Taschenlampe und leuchtet unter die parkierten Fahrzeuge. Ohne Sucherfolg gibt er die Taschenlampe zurück.

16.45 Uhr: Der Herr ist noch immer am Suchen. Mittlerweile haben wir von ihm erfahren, was er denn suche: Eine Nachtzahnspange. Tja... Tut mir leid, das haben wir nicht gefunden (aber einen Rover hätte ich bis vor kurzem noch im Angebot gehabt).

17.15 Uhr: Ende eines langen Einsatzes, bei dem es neben dem eigentlichen Verkehrs- und Parkdienst noch eine Menge anderer Dinge zu tun gab.

18.40 Uhr: Währenddem für alle anderen der Einsatz längst zu Ende ist, habe ich als Einsatzchef noch eine kleine Aufgabe: Ich schreibe den Unfallrapport des vormittäglichen Bagatellunfalls für meine Vorgesetzten.

 

   
   

Stefan Fraefel

   
last updated:  02/12/2004  ©2003 VK-NWS