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Aargrandissimo |
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Erleben Sie unsere vielfältigen Einsatzbereiche sowie die vorzügliche Stimmung unserer Verkehrskadetten anhand dieser Reportage über einen der grössten Einsätze der jüngeren Vereinsgeschichte am AarGrandissimo 1998. Alle Ereignisse haben sich tatsächlich so abgespielt, die Namen wurden für die Veröffentlichung auf der Website jedoch geändert. Einsatz der Verkehrskadetten Nordwestschweiz am Bundesfest AarGrandissimoStau, Regen, noch mehr Autos und viel Freude"Radio DRS 1, die TCS-Verkehrsinfozentrale Genf teilt mit: Aarau; aufgrund einer Grossveranstaltung ist das Stadtzentrum gesperrt. Die Umfahrungsstrassen sind überlastet. Durchgangsverkehr: Aarau bitte grossräumig umfahren. Festbesucher wollen bitte die Hinweisschilder sowie die Anweisungen der Verkehrspolizei beachten." Solche Mitteilungen sind wohlbekannt. Doch von Freitag mittag bis Sonntag abend, 11. bis 13. September 1998 war diese Meldung ständig zu hören. Und Aarau erlebte eine Blechlawine und ein Personenaufkommen, das bisher unbekannt war: "Ich kenne meine Stadt nicht mehr. Alles ist anders: Der Verkehr, die Feststände, die Konzerte, einfach alles. Und dabei lebe ich seit über 60 Jahren hier", bemerkte eine ältere Passantin. Grund ist das Bundesfest AarGrandissimo, 150 Jahre Bundesstaat, 200 Jahre Helvetik. Unbekannte VerkehrsreglerEinmal im Aarau-Stau, trifft man auf beinahe jeder Kreuzung orange-blau uniformierte Jugendliche, die - vom Chaos unberührt - routiniert den Verkehr regeln; Festbesuchern werden auf riesigen Rasenflächen Parkplätze zugewiesen; höflich werden Autofahrer abgehalten, in das gesperrte Stadtzentrum zu fahren. Alles von diesen Jugendlichen, die Aarau unbekannt sind. Kommen die jungen Leute doch schliesslich auch von der anderen Seite des Juras. "Die Verkehrspolizisten kenne ich, auch Feuerwehr und Zivilschutz haben andere Uniformen; ich frage mich wirklich, wer das sein kann", wundert sich ein Festbesucher. Nun, es sind die Verkehrskadetten Nordwestschweiz (VK-NWS), die während den drei Festtagen mit teilweise über 50 Verkehrskadetten (VK) im Einsatz in ganz Aarau stehen. Stau um MitternachtDie Turmuhr schlägt zwölfmal, soeben ist der Samstag vorbei und der Sonntag beginnt. Doch niemand bemerkt es, denn es quälen sich Autoschlangen rund um Aarau. Nach grossartigen Konzerten und einem Riesenfeuerwerk wollen nun Zehntausende heim, die meisten mit dem eigenen Auto. Mit einer gelben Stablampe winkend regelt VK Martin den Verkehr. Er ist dafür zuständig, dass die Einsatzbusse möglichst schnell vorwärtskommen. "Seit 16.00 Uhr stehe ich im Einsatz, dabei bin ich erst um vier Uhr in der Früh ins Bett gekommen, weil ich von Freitag abend bis Samstag morgen Einsatz hatte." Doch blenden wir zurück: Vor dem grossen ShowdownDonnerstag nachmittag: In der VK-NWS-Einsatzzentrale herrscht geschäftiges Treiben; die ersten VK sind eingetroffen und quartieren sich in der Zivilschutzanlage ein. "Ab heute abend muss das Stadtzentrum abgesperrt werden, am Freitag müssen zusätzlich die Umleitungen klappen und das Parkieren der Autos; am Samstag erwarten wir die meisten Besucher - wir gehen von über hunderttausend aus -, bis am Sonntag das Fest ausklingt und wir am Abend wieder heim können", so fasst Einsatzleiter Kurt M., die kommenden Tage kurz zusammen. Mit besorgtem Blick nach oben in den wolkenverhangenen Himmel hofft er, dass der Regen endlich aufhöre. Aber Petrus scheint kein Erbarmen zu haben - zumindest so schnell nicht. Nichts als Regen - und mühsame AutofahrerFreitag in der Früh werden die ersten VK geweckt; der morgendliche Berufsverkehr muss umgeleitet werden. VK Fabienne hat nach fünf Stunden Winken Mittagspause und Zeit für einen kurzen Schwatz: "Der Regen ist etwas mühsam. Trotzdem gefällt mir der Einsatz bis jetzt!" Am Nachmittag steht sie auf der grossen Aarebrücke und erklärt dem nächsten Autofahrer, dass das Zentrum gesperrt ist. "Das ist schon nervenaufreibend, jedem Autofahrer das Gleiche zu erzählen. Dabei stehen vor meinem Posten mindestens 10 Hinweistafeln, die auf die Sperrung aufmerksam machen. Aber keiner will scheinbar kapieren, dass die Tafeln auch für ihn gelten. Doch ihre Ausreden sind häufig ziemlich witzig." Ihre Kollegin, Manuela, fügt bei: "Mühsam wird es bei denen, die eine "Dummi" haben oder uns sogar verfluchen. Da ist es schon schwer, höflich zu bleiben. Aber höflich bleiben muss einfach sein. Zum Glück sind wir zu zweit und haben noch ein Absperrgitter, da fährt uns schon keiner drein." Plötzlich beginnen die beiden zu winken: In der Ferne kommen zwei weiss-orange gestreifte Kleinbusse gefahren. Dies sei die Verstärkung, nun würden sie bald abgelöst und könnten zurück in die Unterkunft. Hurra, die Ablösung! - FreizeitMit einem weiteren Kamerad gehen sie zuerst noch zur Migros, bei denen alle AarGrandissimo-Beschäftigten essen können. Mit "ihr könnt nehmen, was ihr wollt", begrüsst Roger die drei an der Restauranttür. Es bleibt keine Zeit zum Reden, Roger muss auf Posten 21. "Dies ist ein riesiges Rasenparkfeld, bei diesem Regen wird das ein hübscher Pflotsch sein", bemerkt Andreas. Zurück in der Unterkunft können sie mit anderen VK noch tratschen, dann heisst es um 21.00 Uhr für die ersten Bettruhe. "Ich weiss, dass das früh ist", erklärt uns Kurt, "doch sie haben morgen um fünf Einsatzbeginn, also um vier Tagwache." Die VK akzeptieren es, zwar murrend, aber sie gehen. Sie wissen: Sie tragen grosse Verantwortung und genügend Schlaf ist wichtig. Fussballfeldergrosse Parkplätze - und RegenUm 22.00 Uhr auf Posten 21 hat Roger, Kadermann, seine anderen vier VK und den Parkplatz im Griff. "VK 24 von VK 21, Parkplatzreihe fertig machen und zur Einfahrt kommen", ordnet Roger über Funk an. Ein Riesenparkplatz also, bei dem Rufen nicht mehr reicht. Nach ein paar Minuten kommt VK 24, Claudine mit Namen, durch den knöcheltiefen Schlamm angestapft. Die Verkehrspolizei hat Traktoren und Sägespäne angefordert, die nun den Rasen mit Sägespänen-Fahrbahnen abdecken. Claudine freut sich: "Wenigstens müssen wir die Autos morgen nicht aus dem Schlamm herausstossen. Das musste ich diesen Frühling mal, das ist nicht gerade angenehm." Drei Stunden später – ein Uhr früh – werden die VK abgeholt und können zurück zur Unterkunft. Nach einer warmen Dusche freuen sie sich nun auf ihr Bett. Martin regelt zur gleichen Zeit noch den Verkehr auf der Bahnhofsstrasse. Es ist der gleiche Ort, an dem er 24 Stunden später wieder stehen wird, wie wir wissen. Er hat heute um 3.30 Uhr Feier-"Abend". Als er in der Unterkunft eintrifft, ist Andreas bereits wieder auf den Beinen: Samstag: Der Grosseinsatz auf dem HöhepunktHeute "darf" Andreas auf Posten 21, den etwas nassen Parkplatz. Fabienne und Manuela haben mehr Glück: Sie stehen auf verschiedenen Kreuzungen, haben also Teer unter den Füssen. Doch alle VK haben eigentlich Grund zur Freude: An diesem Samstag Morgen regnet es nicht mehr. Den ganzen Sonntag durch wird dann sogar die Sonne scheinen. Einer der Busfahrer meldet dem Einsatzleiter, es brauche noch drei VK auf verschiedenen Kreuzungen. Kein Problem: Die VK der Reserve werden eingesetzt. Unter ihnen befindet sich auch wieder Claudine: "Zuerst war ich schon traurig, dass ich erst wieder am Abend Einsatz hätte und nur als Reserve eingeteilt wurde. Doch jetzt darf ich schon wieder Einsatz machen." Es ist vier Uhr nachmittags. Um drei Uhr nachmittags bekommt Andreas zusammen mit fünf anderen VK die Aufgabe, Eintrittstickets zu verkaufen. Eigentlich keine Aufgabe für die VK-NWS, aber das Organisationskomitee konnte zuwenig Ticketverkäufer organisieren. "Wieso sollten wir das nicht übernehmen?" fragt Einsatzleiter Kurt rhetorisch, "schliesslich hatten wir genügend VK, die sich freiwillig in ihrer eigentlich einsatzfreien Zeit meldeten. Wenn wir helfen können, tun wir es auch." Unter ihnen befindet sich Jenny, die heute morgen in Aarau eingetroffen war. Während dem Fussmarsch zum Verkaufsgebiet erklärt sie, woher sie das Engagement nimmt, für diesen Verein zu arbeiten und - wie dieses Mal - ein ganzes Wochenende zu "opfern": "Man findet viele gute Kameraden hier; es ist toll, Verantwortung übernehmen zu können, zum Beispiel den komplizierten Verkehr alleine leiten zu dürfen; ich mag auch den Kontakt mit den anderen Leuten; und schlussendlich stärkt es mein Selbstbewusstsein." Mit diesem Statement bringt sie auf den Punkt, was viele VK denken. Hektik pur: Autos, Polizei und FeuerwehrIn der Einsatzleitung geht es sehr betriebsam zu, es bleibt aber alles schön geordnet: 55 VK sind nun am Samstag abend gleichzeitig im Einsatz und die Parkplätze füllen sich mit Tausenden von Autos. Ein Rockkonzert auf einer eigens für das Fest hergerichteten Bühne sowie ein gigantisches Feuerwerk gegen 23 Uhr sind die Knüller des heutigen Abends. 150’000 Besucher werden schliesslich alleine heute abend ans Fest gekommen sein. Am Posten 7, ein Absperrposten unweit des Stadtzentrums, muss Manuela unterdessen die Polizei verständigen: Ein nicht mehr ganz nüchterner Mann wollte trotz "Fahne" und Fahrverbot ins Zentrum fahren und wurde ausfällig. Die innert Minuten angerückte Polizei nimmt den Mann kurzerhand auf den Posten mit. 21 Uhr, Posten 19: Max, seit 5 Stunden in Aarau, regelt die Fussgängerströme. Doch plötzlich rennen Feuerwehrleute zu den hinter ihm abgestellten Fahrzeugen, Blaulicht leuchtet und Martinshorn ertönt. Max funkt den benachbarten Posten, dass die Feuerwehr ausrückt und sperrt anschliessend die Kreuzung. Mit deutlich mehr als 50 km/h brausen fünf Feuerwehrfahrzeuge über die Kreuzung. Zwei Stunden später kehren sie zurück: Es war ein Wohnungsbrand, dank dem richtigen Verhalten der VK konnte die Feuerwehr trotz Stau schnell auf der Gegenspur zum Brandherd gelangen. Unterdessen beginnt das gross angekündigte Feuerwerk. Max sieht allerdings nichts: Sein Posten ist in einer Häuserschlucht. Er nimmt es allerdings nicht so tragisch, der Einsatz ist spannend genug. Zeit zum NachdenkenSonntag morgen: Mittlerweile sind nur noch halb so viele VK im Einsatz. Viele wurden Samstag nacht nach Hause gefahren. Auf den Parkplätzen herrscht nun Aufbruchstimmung, ebenso wie in der Unterkunft. Währenddem sich die Parkfelder schnell leeren, können die Absperrungen in der Innenstadt sukzessive Strasse um Strasse aufgehoben werden. Am Nachmittag sind nur noch 15 VK im Einsatz, um dann um neun Uhr abends ebenfalls nach Hause zu fahren. Und einige Personen finden Zeit für ein Resumé: "Ich bin beeindruckt von der Effektivität dieses Vereins", erklärt ein Sprecher der Stadtpolizei, "trotz der Distanz zu Basel werden wir weiter mit den Verkehrskadetten Nordwestschweiz zusammenarbeiten." Der Einsatzleiter redet nun von einem Einsatz, "der in die Annalen des Vereins eingehen wird." Und etwas nimmt jeder VK laut Fabienne aus Aarau mit: "Eine grosse Portion Erfahrung, Spass und die Vorfreude auf den nächsten Einsatz."
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Stefan Fraefel |
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last updated:
29.06.2003
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